KREATIVRAUM FÜR JUGENDLICHE IM RAUTENSTRAUCH-JOEST-MUSEUM INNERHALB DER SONDERAUSSTELLUNG:

„RESIST – DIE KUNST DES WIDERSTANDS“

Es ist ein typischer grau-verregneter Tag im November, also geradezu prädestiniert, um mal wieder ins Museum zu gehen. Meine Wahl fällt auf das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) in Köln, dass mich aus gleich zwei Gründen anzieht. Da ist zum einen die Sonderausstellung „Resist – Die Kunst des Widerstands“, die mich interessiert. Diese Sonderausstellung macht die koloniale Unterdrückung des Globalen Südens der letzten 500 Jahre bis heute -wobei der Fokus auf dem antikolonialen Widerstand liegt – sichtbar, und je mehr man eintaucht, ja fast sogar erfahrbar. Die Kunstwerke der 40 zeitgenössischen KünstlerInnen aus dem Globalen Süden und aus der Diaspora präsentieren sich in vier labyrinthisch gestalteten Räumen. Neben Gemälden, Fotos und Widerstandsplakaten beschäftigt sich die Ausstellung aber auch noch mit historischen Dokumenten und geraubten Kulturgütern. Die Vielfältigkeit der präsentierten Werke, die spezielle räumliche Anordnung und die sehr ausführlichen schriftlichen Erklärungen machen es erforderlich, dass jeder seine eigene Art finden muss, sich der Ausstellung und deren besonderen Inhalten, die jeden anders berühren und betroffen machen, zumindest aber nachdenklich stimmen, zu nähern und auseinandersetzen.

OMAR VICTOR DIOP

Mich faszinieren besonders die Fotos, des in Paris lebenden, senegalesischen Foto-Künstlers und Modefotografen Omar Victor Diop aus der Serie „Diaspora 2015“ https://www.omarvictor.com/project-diaspora. Diese Reihe hat Diop vergessenen Persönlichkeiten der Black Diaspora aus der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gewidmet. Der Clou hierbei ist, dass Diop selbst auf den Fotos zu sehen ist. Trotzdem sind es keine Selbstporträts, denn er verkörpert die oben genannten Persönlichkeiten. Er schlüpft quasi in deren Rollen, modisch und stylisch gekleidet und fast immer ist ein Fußball mit dabei, mit dem er einen gezielten Pass in die Gegenwart schlägt, um auf die stereotype Darstellung schwarzer Männer in den Medien hinzuweisen. Doch beim Betrachten der Fotos sind es insbesondere die Augen Diops, die einen nicht mehr loslassen. Dem intensiven, fast hypnotischen Blick Diops kann man sich nicht entziehen. Diese Augen sprechen Bände, schauen einen stolz und selbstbewusst, gleichzeitig aber auch anklagend und verachtend an. Und egal, ob ich mich an den Bildern rechs oder links vorbei bewege, seine Augen gehen immer mit, sie verfolgen mich. Schon ein bisschen unheimlich. Nicht umsonst macht das RJM mit einem seiner Fotos Werbung für diese eindrucksvolle Sonderausstellung, in der es unendlich viel zu entdecken gibt.

Darüber hinaus trifft man zu festgelegten Zeiten in der Ausstellung auf Livespeaker, es gibt eine „Library of Resistence“, Erzählcafés sowie eine Repair- und Schreibwerkstatt.

KOOPERATION JUGENDFREIZEITWERK KÖLN EV. MIT DEM RJM

Und dann ist da noch die zweite Sache, die mich interessiert. Denn die Repairwerkstatt wurde vom RJM dem Jugendfreizeitwerk Köln e.V., welches in Chorweiler beheimat ist, für regelmäßige Workshops mit Jugendgruppen zur Verfügung gestellt. Ich bin mit dem Werkstattleiter des Jugendfreizeitwerks, Kamil Rachwal, verabredet, der mich eingeladen hat, an diesem Tag die Jugendlichen bei einem Workshop zu begleiten. Es sind immer wechselnde Jugendgruppen, die an diesen Workshops teilnehmen, so dass viele Jugendliche die Möglichkeit haben, dieses Angebot wahrzunehmen. Eine Verpflichtung, sich zusätzlich die Sonderausstellung anzuschauen, gibt es nicht. Natürlich möchte das RJM durch diese Kooperation mit dem Jugendfreizeitwerk Köln e.V. und den angebotenen Workshops, den Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zum Museum bieten.

(Jugendliche bei der Themensammlung – Foto Angela Bungarz)

KREATIVER DIALOG ZWISCHEN JUGENDLICHEN UND AUSSTELLUNGSTHEMA

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Erzählcafé lädt Rachwal die Jugendlichen zunächst ein, einmal zu überlegen, wo sie in ihrem Leben Widerstände spüren und wofür sie kämpfen möchten. So stellt er einen Bezug zum Thema der aktuellen Sonderausstellung her. An diesem Tag kristallisiert sich schnell heraus, dass für diese Gruppe „Mobbing“ gerade das zentrale Thema ist. Viele von ihnen waren bereits selbst Mobbing-Opfer oder kennen jemanden in ihrem Umfeld, der von Mobbing betroffen war oder ist. Anschließend können die Jugendlichen dann ihre Gefühle und Emotionen zu diesem Thema in der Repairwerkstatt kreativ ausdrücken. Hier lernen sie den Umgang mit einer Druckerpresse und die Herstellung eines Linoldrucks. Rachwal hat eine der Jugendlichen, die mit dem Druckverfahren bereits sehr vertraut ist, die Aufgabe übertragen, der Gruppe das Verfahren zu erklären. Das macht sie schon sehr souverän und routiniert. Das Jugendfreizeitwerk Köln e.V. hat eigens eine Druckerpresse bereit gestellt und das RJM hat vorgefertigte Schablonen zur Verfügung gestellt. Daneben können die Jugendlichen aber auch ihre eigenen Schablonen herstellen.

WIDERSTANDS-KUNST GESTERN UND HEUTE

Es zeigt sich, dass die meisten Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und sich selbst eine Schablone, die besser ihre eigenen Gefühlen ausdrückt, erstellen. Bei der Erstellung der Schablonen arbeiten sie hochkonzentriert. Dabei werden sie von Rachwal ruhig und auf Augenhöhe begleitet. Die Jugendlichen tauschen sich auch untereinander in kreativer, harmonischer und friedlicher Atmosphäre aus. So entstehen filigrane und sehr aufwändige kleine Meisterwerke. Die Jugendlichen, von denen einige bereits das zweite mal dabei sind, erzählen mir, dass ihnen diese Arbeit, vor allem auch das gemeinschaftliche Arbeiten, sehr viel Spaß macht. „Es beruhigt mich einfach“ erklärt mir eine der Jugendlichen. Als es dann mit den fertigen Schablonen an die Druckerpresse geht, wird es sehr lebendig, stolz, manchmal sogar begleitet von einem kleinen Jubelschrei präsentieren sie ihre fertigen Kunst-Drucke, die zum Abschluss noch signiert werden. Von jeder Vorlage werden mindestens zwei Drucke erstellt, wovon ein Druck mit nach Hause genommen werden darf, während der andere Druck an eine der Säule in der Repairwerkstatt geklebt wird. Für die fertigen Schablonen gibt es ein extra dafür vorgesehenes Regal. So können die Jugendlichen am Ende ganz selbstbewusst sagen, dass ein Kunstwerk von ihnen im Museum ausgestellt ist. Andere Ausstellungsbeesucher dürfen sich übrigens von einer bereits vorliegenden Schablone einen Druck erstellen und mit nach Hause nehmen. Auch ich darf mir zum Abschluss der Veranstaltung ein Motiv aussuchen und einen Druck davon mit nach Hause nehmen. Die Wahl fällt mir nicht leicht, stehen doch sehr viele tolle Motive zur Auswahl. Schließlich habe ich mich doch für ein sehr kraftvolles Motiv entschieden. Der Druck hat einen Ehrenplatz in meiner Wohnung gefunden.

Aktuelle Information: zwischenzeitlich sind die Workshops corona-bedingt bis auf Weiteres abgesagt. Das ist sehr schade, denn die Workshops kamen bei den Jugendlichen sehr gut an, sie wurden gehört, gesehen und konnten ihre Gefühle kreativ ausdrücken.

Weitere Infos zur Sonderausstellung, zu Öffnungszeiten und Preisen gibt es hier:

http://rautenstrauch-joest-museum.de/RESIST-Die-Kunst-des-Widerstands

Infos zum Jugendfreizeitwerk Köln e.V. :

https://www.jugend-freizeitwerk-koeln.de/