Lebendige Kunst im Künstlerort und ältesten Nordseebad: Dangast am Jadebusen


Wir sind doch etwas irritiert, als wir das erste Mal vom Kurhaus Dangast aus unseren Blick über das von der Unesco zum Weltnaturerbe ernannte Nordsee-Wattenmeer schweifen lassen. Denn wir sehen nicht nur Watt, sondern auch noch eine nackte Frauen-Skulptur und es kommt noch dicker, denn etwas weiter entdecken wir auch noch einen überdimensional großen Phallus. Watt is denn hier los? Wohl zu viel vom Küstennebel gekostet? Mitnichten! Diese beiden Skulpturen gehören zum Skulpturenpfad, der sich fast um den ganzen Jadebusen herum erstreckt. Bei der Frauenskulptur handelt es sich um die erhaben und stolz im Watt stehende Skulptur „Jade II“ des Künstlers Anatol, Karl-Heinz Herzfeld. Seine erste „Jade“ wurde übrigens bei einem Eisgang zerstört. Das männliche Pendant hierzu bildet „Der Phallus“, auch bekannt als „Grenzstein“, der von dem Oldenburger Bildhauer Eckart Grenzer erstellt wurde. Die beiden Skulpturen symbolisieren das männliche und das weibliche Prinzip. Auch auf unserem weiteren Spaziergang begegnen wir auf Schritt und Tritt der Dangaster Kunst. Fast immer sind wir irgendwo auf dem Dangaster Kunstpfad unterwegs mit seinen 19 aufgestellten Infotafeln, die uns über den jeweiligen Künstler, der genau an dieser Stelle gemalt hat, informiert und das hier entstandene Kunstwerk zeigt. Hier stoßen wir auch auf die Künstler der Vereinigung „Die Brücke“, wie z.B. Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff mit ihrer expressionistischen Kunst. Kunst und Natur gehen hier Hand in Hand. So bietet die Akademie Dangast Ausstellungen, Führungen, Seminare und Workshops im Bereich Kunst und Natur an. Der wohl bekannteste Künstler, der sich 1923 in Dangast niederließ und dort die größte Zeit seines Lebens verbrachte, ist der Maler Franz Radziwill. Das noch original eingereichtete „Franz-Radziwill-Haus“ kann besichtigt werden. Zum 125. Geburtstag von Franz Radziwill 2020 läuft aktuell die Ausstellung „Inszenierte Bildräume“ und zeigt 30 seiner Werke. Seine Landschaftsbilder haben teilweise etwas düster-mystisches und können werden dem magischen Realismus zugeordnet.
Bei unserer Ankunft am frühen Sonntag-Nachmittag in Dangast beeilen wir uns, damit wir uns noch den Kunstmarkt anschauen können, der von Freitag bis Sonntag vor dem Kurhaus stattfindet. Der Kunstmarkt erinnert in seiner ovalen Form ans Eierplätzchen und so nehmen wir eine direkte Schaltung zum zeitgleich stattfindenden „Eierplätzchen-Montmartre“ in Köln vor. Auf dem Dangaster Kunstmarkt finden wir Zeichnungen vom Kurhaus, maritime Ölgemälde und Kunsthandwerk vor. Wir lernen den Künstler Friedrich Janke kennen, bei dem ich eine kleine schwarz-weiß-Zeichnung des Kurhauses als Andenken kaufe. Dann schauen wir uns noch die in unmittelbarer Nähe liegende kleine Galerie KaMa an. Und dann wollen wir uns nur noch der von der Natur geschaffenen Kunst hingeben, am besten in Verbindung mit einem Sundowner. Das lässt sich ganz hervorragend auf der Terrasse der Kur-Klause mit Blick übers Wattenmeer verwirklichen. HIer erleben wir im Laufe unseres Aufenthaltes auch noch einen wundervollen Sonnenuntergang.
Von unserer Homebase Dangast aus unternehmen wir noch Ausflüge nach dem reizvollen Carolinensiel mit Kaffeepause im Tüdel-Pott, an den Südstrand in Wilhelmshaven (wo ich mir fast einen Sonnenbrand einfange) und nach Varel-Hafen (mit einem super Fischrestaurant). Und dann begegnen wir beim Essen im Restaurant STELLAZ (in Dangast) wieder der Kunst. Es handelt sich um Portraits und Graffitis und wie sich dann im Gespräch herausstellt, von einem der drei jungen Restaurantbesitzer selbst gemalt.
Moin. Noch einmal mit den Füßen im Sand spielen am Beach-Club und einen Schlummertrunk in der Kurhaus-Klause geniessen und dann geht es am nächsten Tag auch schon wieder nach Hause….so schön. schön war die Zeit und auch so schnell vorbei. Kunst und Natur vereint in Dangast.
Angela Bungarz
Bloggerin crossart live

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